Am Anfang der Stunde erzähle ich den Kindern von meinem Weg zu ihnen. Von zu Hause bin ich fröhlich und bester Dinge gestartet. Dann fuhr ich in einen Stau und die Zeit rannte laut lachend davon. Ich wurde nervös und gestresst. Die Gedanken flogen durch meinen Kopf – „Ich komme zu spät. – Ich schaffe es nicht mehr alles aufzubauen. – Ich bin gestresst. Mist.“
All das passierte binnen weniger Augenblicke, bis zu dem Moment an dem ich mich erinnerte: Erstmal atmen. Und Abstand schaffen. Genauso wie wir unsere Gedanken mit der Meditation und Achtsamkeit beruhigen, können wir das auch mit unseren Gefühlen. Und schon löste sich mein Groll parallel zum Stau auf.

Dafür ist es wichtig zu wissen: Wir DÜRFEN Angst haben, traurig oder unsicher sein. Oder eben gestresst und nervös. Aber wenn wir es schaffen, die Gefühle anzuschauen, anzunehmen und wieder gehen zu lassen – wird es einfacher. Denn ich BIN ja nicht das Gefühl – ich fühle es. Ich fühle mich gestresst. Genauso wie ich den Wind fühle und nicht windig bin.

Gefühle sind, genau wie die Gedanken, nicht beständig, da sind die Kinder und ich uns einig. Keiner von uns ist immer traurig, wütend, lustig, fröhlich.. das merken wir schnell bei der Abfrage. Alle Gefühle und Gedanken gehen wieder vorbei.
Ein paar unserer Gefühle wollen wir uns heute mal etwas genauer anschauen. Wir probieren Körperhaltungen und Mimiken von Trauer, Freude, Wut und Angst. Spüren wie sich die Haltungen auf unsere Stimmung auswirken und bei der Information, dass man nach einer Minute Lächeln wirklich fröhlicher ist, blicke ich in lächelnde Kindergesichter.
Die Lachmuskeln suggerieren dem Gehirn gute Laune und tricksen so das Denken aus. Das muss natürlich sofort ausprobiert werden. Gelächter. „Bei mir klappt das nicht“ lacht mich ein Junge frech an.

Alle Gefühle dürfen da sein. Auch die blöden. Sie wollen einfach gefühlt werden. Das ist alles. Und dann können sie wieder gehen.Um unsere Gefühle etwas besser kennenzulernen und ihnen eine Gestalt zu geben, machen wir 3 Mini-Visionsreisen und begegnen unserer Angst unserer Freude und unserer Wut. Plötzlich sind diese Gefühle ein Teil der zu uns gehört, aber nicht wir sind.

Nachdem wir die WUT erst gespürt und dann aus uns heraus gepustet haben, wird sie zum MUT, weil das W durch das rauspusten herum gewirbelt wird, sich umdreht und ein M wird. Alles verändert sich ständig. Und falls wir mal vergessen, wie wunderbar wir sind. Oder falls wir mal besonders viel MUT oder Kraft brauchen, dann gibt es heute auch noch ein MUDRA, dass uns unterstützt. Die Kinder kennen einige Mudras aus ihrem Alltag, Daumen drücken, Peace, klatschen, eine Faust machen. Obwohl wir nun schon fast 90 Minuten konzentriert arbeiten, freuen sich die Kinder über das MUT Mudra und machen lebendig und voller Freude mit.
ICH _ BIN_GANZ _ MUTIG! Unsere Finger berühren sich in einer bestimmten Reihenfolge und das Yoga für die Finger bringt uns Mut und Entspannung. Die Vorschläge wann man das Mudra einsetzen könnte, sind wunderbar. Alles angekommen!

Ein Gefühl ist ein Gefühl und das bist nicht du.
Genau wie du auch nicht deine Gedanken bist.
Beides ist flüchtig und unbeständig. Und je mehr ich das verstehe, desto schneller kann ich sie achtsam und wertfrei und ohne Urteil nur beobachten und dann gehen lassen. Das macht das Leben wirklich angenehmer. Das wünsche ich diesen wunderbaren Kindern hier. Heute sind sie diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. ❤️