Im Malraum zählen das Entdecken, die Freude und das Spielen. Hier zählt nicht das Ergebnis. Das war auch für mich erstmal eine neue Erfahrung. Nicht zu sagen: „Das ist aber toll geworden“ wenn die Kinder einem ihre ersten Bilder präsentieren.

 

Unübliches wird zur Gewohnheit

Wie sehr wir doch alle daran gewöhnt sind zu bewerten, zu deuten oder verschönern zu wollen. In der Arbeit als Coach mit Erwachsenen habe ich gelernt, nicht zu bewerten, aber Glitzer-Kinder-bunte-Farben-Bilder-mit-großen-erwartungsvollen-Augen sind am Anfang eine andere Herausforderung. Für uns alle soll hier im neuen Malraum das Unübliche zur Gewohnheit werden.

Leistungsdruck verhindert Ausdruck

Im Malraum sollen die Kinder nicht den Erwartungen der Erwachsenen entsprechen. Und damit weder Leistungsdruck noch ein Kreislauf aus Lob, Erwartung und Kritik entstehen, verwahren wir die Bilder. Niemand, außer unserer kleinen Truppe, bekommt sie zu Gesicht.

Jedes Kind hinterläßt hier seine Spur

Anna Ryffel, Kunsttherapeutin und ich, systemischer, spiritueller Coach begleiten Flüchtlingskinder durch ein Jahr im Malraum. Die Grundschule Forsbach stellt uns den Raum zur Verfügung. Farben, Formen und Gesten treten an die Stelle der verbalen Kommunikation, die für die Flüchtlingskinder oftmals doppelt schwierig ist. In dieser geschützten Atmosphäre bekommen die Kinder die Möglichkeit einmal die Woche, ihren Freuden, Träumen, Problemen und Spannungen Gestalt zu geben. Die Kinder erkunden bei uns ihre eigene Spur auf dem Papier. Trauen sich Dinge, die außerhalb des geschützten Raumes oftmals schwierig sind. Hier ist wichtig was spontan beim malen zum Ausdruck kommt. Nicht das Überlegte.

Einfach mal ´sein´ lassen

Schon während der ersten Stunde sollen wir den Kindern immer wieder versichern: Es geht weiter. Wir kommen jetzt jede Woche und malen zusammen. Wir werden gut aufpassen auf die Spur, die sie legen.

Nicht zu bewerten ist herrlich entspannend. Für beide Seiten. Und es können sich ganz andere Dinge zeigen. Einfach mal SEIN lassen. Versucht es!

Eure Tina