Manchmal haben die Kinder einfach keine Lust auf das, was wir ihnen anbieten. Das, was wir ihnen mitbringen, ist ihnen oftmals zuerst fremd. Sowohl inhaltlich, als auch in der Art und Weise, wie wir es ihnen anbieten. Dann kann es mitunter auch ziemlich anstrengend sein, eine AG zu leiten. Erstklässler, die um 14 Uhr erst aus den Hausaufgaben kommen und seit dem Aufstehen noch keine Möglichkeit hatten „einfach nur zu tun wonach ihnen ist“ kann ich da sehr gut verstehen.

„Du musst strenger sein,“

raten die Kinder mir. Ich möchte nicht streng sein, schimpfen und Strafen verteilen, wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Ich setze einen Rahmen, in dem bewegen wir uns. Druck schafft letztendlich nur Widerstand. Vielleicht sind die Kinder dann stiller, aber sie sind dann nicht mehr erreichbar. Doch darum geht es. In Kontakt zu kommen und ihnen Erfahrungen zu schenken, die sie berühren. Und begleiten. Die gelernte Hierarchie für einen Moment beiseite zu legen und auf Augenhöhe zu kommen.

Ich möchte natürlich auch nicht gegen Geschrei, beleidigende Worte, oder ständige Unruhe ankämpfen. Ich komme, um den Kindern etwas beizubringen. Über sich selbst. Das Leben und seine Möglichkeiten. Herzensbildung. Und die geschieht nur, im Kontakt, im Vertrauen und in einem sicheren Raum.

Also lasse ich die Kinder selbst entscheiden.

Wir setzen uns zusammen und ich biete den Kindern an, hier an diesem Punkt aufzuhören. Jeder kann tun und lassen was er möchte und die Glücks AG findet dann eben nicht statt. Oder nur für die Kinder, die das möchten. Alle anderen dürfen jetzt gehen. „Das ist völlig in Ordnung für mich.“ sage ich ihnen und meine es genau so. Auch das ist wichtig, es ist kein Trick, mit dem ich die Kinder still bekommen möchte, eine versteckte Drohung (wenn du nicht ruhig bist, komme ich nicht wieder) es ist genau das, was es ist. Ich überlasse den Kindern die Entscheidung weiterzumachen oder nicht. Ich mute es den Kindern zu, diese Entscheidung zu treffen und ich vertraue ihnen, dass sie es tun können. Das zeigt ihnen, wie ernst ich sie nehme. Dadurch entsteht Autonomie. Und die brauchen die KInder der heutigen Zeit so sehr. Ein Junge entscheidet sich gegen die AG. Er möchte nicht mehr mitmachen. Alle anderen Kinder bleiben. Und sie bleiben, weil sie es möchten. Nicht, weil es auf dem Stundenplan steht. Diese Lektion heute, ist eine so wichtige. Auch für mich. Und sie entstand aus dem Moment.

Ich werde sehr sorgsam mit diesem Vertrauen umgehen.

In der Abschlussrunde sitzen die Kinder in ihrem besten Meditationssitz, aufrecht, präsent und singen was das Zeug hält. I´m happy. I´m good. Und wenn ein Kind keine Antwort auf die Frage findet, was es heute ganz toll gemacht hat, fliegen sofort einige Finger der anderen hoch, um diese Frage zu beantworten. Am Anfang der Stunde flogen noch Beleidigungen durch den Raum. Ich bin stolz auf die kleinen Racker! Und spüre, trotz aller Anstrengung des heutigen Tages, dass es genau das ist, worum es hier und für diese Kinder geht.

LIEBLINGSFACH Leben.

Enjoy life,

Tina