Seit fast 2 Wochen sind wir im neuen Heimathafen. Alles ist Staub-Karton-Schlepp-Muskelschmerzen. Ein Heimatgefühl ist noch entfernt. Sie ist weder hier noch da. Ich hänge irgendwo im Zwischenraum zwischen weggehen und ankommen. Tage am See im Wohnwagen, in der Nähe der neuen Schule, fühlen sich wie Urlaub an. Wäre da nicht die lange, fast unendlich erscheinende to-do Liste. Kurze Momente von „wie-soll-ich-das-bloß-alles-schaffen. Andere sind von Vorfreude geprägt. Auch hier irgendwo dazwischen.

Zeit für Bewusstheit und Freude.

Die Entscheidung hierher zu gehen war aus dem Bauch, schnell und ohne zögern. Der Wunsch nach Menschen und Orten, an denen die Welt und das eigene Leben bedeutsam ist. Ein Stückchen raus aus dem System, dass uns immer weiter einengt. Freiheit im Innern zu erlangen, erfordert Raum und Zeit. Die versuchen wir uns zu erschaffen. Das Haus riecht noch nicht nach Willkommen. Die Tage sind anstrengend und leicht. Auch hier ein Dazwischen, dass noch einen Moment dauern wird.

Trotzdem aber noch kein so kleiner Moment, der irgendetwas daran in Frage stellt.

Das tun die Menschen um uns herum. „Seid ihr wirklich sicher, dass das richtig ist, was ihr da tut?“ „Meint ihr nicht, es ist etwas überstürzt?“ „Und was ist mit den Kindern?“ Was soll ich dazu sagen? Wir kennen die Antwort nicht. Was die Kinder und wir aber gerade lernen, ist so wichtig. Alte Dinge aussortieren, sich auf Neues einlassen, neue Wege entdecken, voll im Vertrauen, dass das Leben gut für uns sorgt, neue Freundschaften schließen und vorhandene Freundschaften festhalten.

Auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie wird ein wahrer Kraftort.

Egal was drum herum passiert, wir schaffen als Familie alles gemeinsam. Bewusste Veränderung zu unserem best-of-life. Genau dann ist es das Beste, was du den Kindern vorleben kannst. Verantwortung für dich und dein Leben zu übernehmen. Das lässt auch sie sicher werden, mit unserer Entscheidung zum Neuanfang. Wenn die Lebensform nicht mehr passt, glaube ich, ist es wichtig, etwas zu verändern. Wenn man merkt, dass das Leben erfüllter sein könnte, sollte man versuchen genau dahin zu kommen. Das versuchen wir. Mutig und planlos. Allein das Gefühl von „alles ist möglich“ ist der Plan.

Schwer und leicht gehen selbstverständlich Hand in Hand

Die Kinder gehen wie selbstverständlich auf die neue Schule und seit einer Woche singen alle drei unglaublich viel. „Hejo – spann den Wagen an“, trällert Jula fast den ganzen Tag, auch während sie mit der neuen Klasse Weizen erntet. In zwei Wochen wird der geschrotet und dann daraus auf dem Demeterhof ein Brot gebacken. Ein neues Gefühl von Schule.Die Abendmomente sind manchmal schwierig. Traurig. Heimweh. Nach den alten Freunden. Den alten Gerüchen. Unseren Katzen. Dann wieder großartiges läpsch sein mit allen. Aufgeregt sein, neugierig auf das, was kommt. Unsere allabendlichen DANKBARKEITS Runden vor dem Einschlafen sind länger als sonst. Wenn man in einer neuen Umgebung, mit neuen Menschen und neuen Eindrücken lebt, ist man irgendwie auch bewusster und sieht besser.

„Wenn die Zukunft zur Gegenwart wird..“

Ich will auf dem Weg bleiben. Neugierig bleiben. Ich bin nicht sicher, ob ich überhaupt ankommen möchte. Vielleicht ist es bei mir eher ein ankommen in einem Raum, der täglich neu gestaltet werden darf. Der Grundstein dazu ist gelegt. Wir haben unsere Sinne offen.  Wir haben es getan. Den Schritt in unser neues Leben. Kopfüber. Und das feiern wir, mit einem Tag am Meer! Leben, wir lieben dich! Wir drehen die Segel zum Wind. Unser Idee ist Wirklichkeit geworden. Mit allen aufs und abs. Das Neue darf sich formen, damit das Alte nicht mehr bekämpft werden muss. Das ist eben erst mal auch anstrengend, aber vor allem fühlt sich es sich so echt und ehrlich an, wie lange nicht mehr! AHOI!

Enjoy life,

Tina